2026-08-17 · regulation

Demographie: Chancenvernichtung und Substanzverlust

Demographie : Chancenvernichtung und Substanzverlust

Die Alterung der Gesellschaft bringt nicht nur die Rentenfinanzen in Schieflage. Es geht um die Zukunftsfähigkeit der Wirtschaft. Aber einschlägige Rentenpolitiker schert das wohl noch immer nicht.

Der demographische Wandel kommt alles andere als überraschend. Schon lange Zeit ist absehbar, dass er der deutschen Wirtschaft in den kommenden zehn Jahren mindestens fünf Millionen Ar­beitskräfte entzieht. Auch frühere Bundesregierungen haben dazu schon dicke Berichte unter der Überschrift "Demographiestrategie" geschrieben. Es bedeutet aber leider nicht, dass die verantwortlichen Akteure die Tragweite des Wandels erfasst oder gar in strategisches Handeln übersetzt hätten. Solange das Problem nicht richtig wehtat, hatten wirksame und damit potentiell unbequeme Lösungswege kaum Chancen im Wettstreit um die Gunst des Publikums.

Nun aber vermehren sich die unbequemen Realitäten. Dazu gehört, dass dieser demographische Wandel nicht etwa nur die Renten- und andere Sozialkassen belastet, weil steigenden Ausgaben für mehr Leistungsbezieher eine schrumpfende Gruppe von Zahlern gegenübersteht. Doch selbst diese noch am weitesten verbreitete Aussicht hielt Regierungen bis in jüngste Zeit nicht davon ab, die Leistungsansprüche der Bezieher weiter zu erhöhen, ohne sich um eine solide Finanzierung zu kümmern.

Weniger Arbeitskräfte –weniger Wirtschaftswachstum

Die Lage wird noch ungemütlicher, weil Arbeitskräfteknappheit zunehmend auch unmittelbar das Wachstumspotential der Wirtschaft schmälert. Es geht nicht nur darum, wie viel vom Netto man Arbeitnehmern durch noch höhere Beitragssätze abziehen kann, bis sie die Lust an Leistung verlieren. Mit jedem weiteren Euro für Soziales und mit jeder fehlenden oder demotivierten Arbeitskraft schrumpfen die Spielräume der Unternehmen zu investieren – auch in neue Automatisierungstechnologien, die künftige Arbeitskräfteknappheit entschärfen könnten. Wer stattdessen meint, dass diese Knappheit den übrigen Arbeitnehmern höhere Löhne verschaffe, macht seine Rechnung ohne die dazu nötige Wertschöpfung.

Das alles sollten heute besonders jene bedenken, die gerade glauben, Wähler mit Kampagnen für die abschlagsfreie Frührente erfreuen zu können. Die jüngeren Generationen müssten dafür nicht nur mit noch höheren Beitragssätzen bezahlen, sondern vor allem mit einem weiteren Verlust an volkswirtschaftlicher Substanz.

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