2026-08-05 · buy-side
Wirtschafts-News: KI und Kündigungen, Drama der Steakhaus-Familie Block
Der Mittwoch im Überblick Block, Becker, SpaceX – Dramen um Geld und Glück
Heute geht es um Geld und Glück. Geld kommt in diesem Tagesüberblick häufig vor, das Glück ist ein bisschen versteckt. Wenn Ihnen zum Beispiel das Fintech Iwoca kein Begriff ist, dann haben Sie Glück und sind wahrscheinlich von bester Bonität. Viele Selbstständige und kleine Betriebe, die einen ultraschnellen Kredit ohne Prüfung der Hausbank brauchen, nutzen dagegen die Dienste von Iwoca: Kredite bis 30.000 Euro werden vollständig automatisiert geprüft.
Ein erfolgreiches Geschäft. Mitgründer Christoph Rieche (46) hat das Kreditbuch in Deutschland zuletzt verdoppelt und will es bis 2028 auf eine Milliarde Euro wachsen lassen. Mit der Gründung des Fintechs bewies der Ex-Goldman-Sachs-Banker ein glückliches Händchen, doch nun wollen manche Investoren Geld sehen. Warum die profitable Turbokreditmaschine einer der spannendsten Börsenkandidaten in einem heißen Markt ist , erklären meine Kolleginnen Hannah Schwär und Katharina Slodczyk.
Schnelles Geld: Christoph Rieche, Mitgründer und CEO des Turbokreditvermittlers Iwoca, prüft einen Börsengang
Foto: Carlos Wydler & Valeria Simantob / IwocaDie Wirtschaftsnews des Tages:
Der Autozulieferer Schaeffler streicht 1300 weitere Jobs und bietet Mitarbeitenden ab 55 Jahren Altersteilzeitmodelle an. CEO Klaus Rosenfeld (60) verschärft damit den Sparkurs – und weicht von den Vorstellungen der Bundesregierung, dass Menschen möglichst bis zum Alter von 67 Jahren arbeiten mögen, erheblich ab.
Mit dem Börsengang der Weltraumfirma SpaceX Mitte Juni hat sich Elon Musk (55) direkt ins Geldall geschossen. Anleger, die die Aktie zum Preis von 135 Dollar zeichneten, haben dagegen Verluste erlitten: Nach enttäuschenden Quartalszahlen fiel die SpaceX-Aktie am Mittwoch zeitweise auf 111 US-Dollar, seit ihrem Rekordhoch vom 16. Juni hat sich der Börsenwert mehr als halbiert. Glück bedeutet für Musk, fantastische Zukunftsvisionen zu entwerfen . Wer dafür aufkommt, ist zweitrangig.
Auf dem Tennisplatz war Boris Becker (58) extrem erfolgreich, als Geschäftsmann eher glücklos. Nun steht Beckers ehemalige Panoramavilla im badischen Leimen zum Verkauf, die 1992 nach Plänen seines Vaters Karl-Heinz erbaut und 2022 verkauft wurde. Knapp 3 Millionen Euro wollen die Besitzer für die Villa haben. Was die ehemalige Becker-Residenz so alles bietet, lesen Sie hier.
Die Vermögenden des Tages:
Tatyana Kim (50) ist die reichste Frau Russlands, ihr Vermögen wird auf rund 7 Milliarden Euro geschätzt. 2004 gründete sie den Amazon-Klon Wildberries, der zu Russlands größtem E-Commerce-Konzern aufgestiegen ist und knapp die Hälfte des Marktes kontrolliert. Abholstationen mit dem violetten WB-Logo sind in praktisch jeder Stadt des Landes zu finden. Doch das unternehmerische Glück hat Kim abrupt verlassen: Seit Tagen attackieren ukrainische Drohnen Lagerhäuser und Logistikzentren des Onlinehändlers, der Schaden geht in die Milliarden. Mein Kollege Lukas Heiny erklärt, warum die Ukraine die Firma der reichsten Russin beschießt – und welche Rolle prominente Vertraute von Wladimir Putin (73) dabei spielen.
Nik Storonsky (42) ist ein gemachter Mann. Der milliardenschwere Gründer der Digitalbank Revolut könnte befreit von allen (materiellen) Sorgen die Seele baumeln lassen. Stattdessen predigt der "Banker of the Year" stets eine extreme Arbeitskultur, in der für Glück- und Sinnsuche jenseits beruflicher Performance keine Zeit bleibt. Umso erstaunlicher, dass sich High Performer Storonsky kürzlich eine 102 Meter lange Luxusjacht im Wert von 350 Millionen Euro gegönnt hat: Das klingt verdächtig nach Entspannung. Und nun hat auch noch ein Luxusjachtmakler Storonsky verklagt, weil er sich um seine Provision geprellt fühlt. Wir lernen: Gönnst du dir was, gibt es erst mal mächtig Ärger.
Direktkauf: Revolut-Gründer Nik Storonsky hat sich eine Luxusjacht gegönnt
Foto: Pedro Nunes / REUTERSKI, Kündigungswellen und Klauseln im Vertrag:
Glaubt man der Erzählung der KI-Riesen Anthropic und OpenAI, so kann KI künftig viele Probleme der Welt lösen und uns bestenfalls in eine glückliche Zukunft führen. Die Milliardeninvestitionen in KI-Rechenzentren haben aber Tausenden Beschäftigten bislang kein Glück gebracht: Weltweit rollt die Kündigungswelle, weil KI-Investitionen andernorts wieder eingespart und menschliche Tätigkeiten durch Bots ersetzt werden. Beispiele hierzulande sind der Softwarekonzern SAP , die Lufthansa und die Allianz. In den USA will Oracle 21.000 Mitarbeiter durch KI ersetzen, bei Amazon sind es 16.000 und bei Meta 8000 Jobs. Nun haben Meta-Mitarbeiter den Facebook-Konzern in den USA verklagt, weil KI nicht nur Anlass für die Kündigungswelle war, sondern angeblich auch gleich die Liste der zu entlassenden Mitarbeiter erstellt hat. Meine Kollegin Anna Driftschröer hat mit dem Arbeitsrechtler Michael Fausel gesprochen: Darf die KI entscheiden, wem gekündigt wird? Und wie stark darf ein Unternehmen KI als Hilfsmittel einsetzen, um Entlassungslisten zu erstellen?
Arbeitsrechtler Michael Fausel: "Am Ende muss dann jemand über die mit KI erstellte Liste drüberschauen und entscheiden: Ja, ergibt Sinn, die müssen gehen."
Foto: BluedexMeine Empfehlung für den Abend:
Machtspiele, Kontrollwahn, Familiendrama: Das Urteil im Strafprozess gegen Christina Block (r.) wird noch in diesem Jahr erwartet
Foto: Philotheus Nisch / DER SPIEGEL; Fotos: r_fotos / ddp, Henning Kretschmer / laif, BILD Fotoservice / action press, Marcus Brandt / dpa / picture alliance, Georg Wendt / dpa, Getty ImagesDass Geld und Glück oft gar nichts miteinander zu tun haben, verdeutlicht das Drama der Familie Block. Eugen Block (85), Gründer der Steakhauskette Block House, gehört zu den bekanntesten Unternehmern Deutschlands; er träumte von einer Steakhausdynastie über mehrere Generationen. Doch inzwischen steht der Name Block für einen spektakulären Gerichtsprozess um entführte Kinder: In der Silvesternacht 2024 wurden die beiden jüngsten Kinder gewaltsam aus Dänemark zu ihrer Mutter Christina Block (53) nach Hamburg gebracht, der Strafprozess vor dem Hamburger Landgericht mit mehr als 100 Verhandlungstagen dauert bereits länger als ein Jahr. Ein Team aus SPIEGEL-Kollegen hat die Familientragödie, in der Machtspiele, Kontrollwahn und persönliche Fehden wichtige Rollen spielen, minutiös aufgeschlüsselt und geht der Frage nach, woran diese mächtige Familie zerbrochen ist. Ein Urteil im Block-Prozess wird noch in diesem Jahr erwartet. Das Drama der Familie Block – eine Steakhausdynastie zerfleischt sich.
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