2026-08-17 · regulation

Immer mehr Angriffe: Frankreich im Visier der Hacker

Immer mehr Angriffe : Frankreich im Visier der Hacker

Die Erbeutung Hunderttausender Steuerdaten reiht sich ein in eine lange Liste an Datenlecks in Frankreichs öffentlicher Verwaltung. Der Handlungsdruck ist groß.

Die jüngsten Hackerangriffe auf die Systeme der französischen Steuerbehörde DGFiP sorgen für Zündstoff. Premierminister Sébastien Lecornu berief am Montag eine Krisensitzung ein. Zuvor hatte die Pariser Staatsanwaltschaft mitgeteilt, Ermittlungen eingeleitet zu haben. Diese wurden einer spezialisierten Polizeibehörde zur Bekämpfung von Cyberkriminalität übertragen. Der Handlungsdruck ist auch deshalb groß, da sich die Angriffe in eine lange Liste an Datenlecks in Frankreichs öffentlicher Verwaltung einreihen. Allein seit Anfang dieses Jahres haben Hacker Millionen Daten von Behörden und anderen staatlichen Einrichtungen erbeutet. Dazu zählt ein Leck bei der ANTS, die Führerscheine, Reisepässe und Personalausweise ausstellt, aber auch bei der DGFiP.

Die im Juni und Juli erfolgten Angriffe auf die Steuerbehörde, die wohlgemerkt erst nach dem mutmaßlichen Bekennerschreiben des Hackers "ZeroBytes" bekannt wurden, haben eine besondere Qualität. Sie nagen am Vertrauen in die Sicherheit staatlicher Systeme und können insbesondere für vermögende Betroffene schwerwiegende Folgen haben. So wurden nicht nur personenbezogene Daten wie Namen oder Geburtsdaten geklaut. Auch extrem sensible Steuerdaten etwa zum Einkommen und zur Haushaltszusammensetzung sind in die Hände von Kriminellen gelangt und sollen nun im Darknet zum Verkauf stehen.

"Die Angelegenheit ist schwerwiegend", sagte die DGFiP-Direktorin Amélie Verdier. Die Angriffe seien "ausgefeilter als die bisher bekannten". Die gestohlenen Daten ermöglichten zwar keinen Zugriff auf das gesicherte Konto auf dem Onlineportal der Steuerbehörde. Sie könnten jedoch den Identitätsdiebstahl erleichtern.

EU-Kommission will Frankreich verklagen

Rund 678.000 Privatpersonen und Unternehmen sind nach Angaben der DGFiP betroffen. Sie sollen von Montag an individuell kontaktiert und über Einzelheiten und erforderliche Vorsichtsmaßnahmen informiert werden. Die Opposition mahnt zum Handeln. Aus dem Senat kommen Forderungen nach einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss. "Frankreich ist weltweit das am zweitstärksten von Cyberattacken betroffene Land. Und der Staat hat immer noch nichts unternommen, um uns zu schützen", kritisierte der republikanische Präsidentschaftskandidat Bruno Retailleau auf der Plattform X.

Dass Frankreich besonders stark ins Visier von Hackern gerät, bestätigt man in der Cybersicherheitsindustrie. "Frankreich ist heute weltweit das Land mit den zweitmeisten Datenlecks, und diese Bedrohung ist keineswegs abstrakt: Sie trifft Krankenhäuser, kleine und mittlere Unternehmen und Behörden", schrieb Jean-Noël de Galzain vom Branchenverband Hexatrust unlängst in der Zeitung "Les Echos". Aber auch aufseiten der Pariser Justiz beobachtet man seit Monaten eine Zunahme intensiver Cyberattacken in Frankreich.

Regierungsvertreter betonen, nicht erst jetzt zu handeln, und verweisen auf ein im Frühjahr vorgestelltes Maßnahmenpaket zur verbesserten Cybersicherheit in den Behörden. Dieses sieht die Schaffung einer Digitalbehörde vor, die direkt dem Premierminister unterstellt ist, sowie eine Aufstockung der finanziellen Mittel um 200 Millionen Euro.

Die Anfang 2023 in Kraft getretene europäische NIS-2-Richtlinie, die die Cybersicherheit und Widerstandsfähigkeit kritischer Infrastrukturen und Einrichtungen stärken soll, wurde allerdings noch nicht vollständig in französisches Recht umgesetzt. In Brüssel hat man dafür wenig Verständnis. Erst Anfang Juli hatte die EU-Kommission beschlossen, Frankreich, Irland, Spanien und die Niederlande "wegen Nichtumsetzung der Cybersicherheitsvorschriften" vor dem Gerichtshof der Europäischen Union zu verklagen.

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