2026-08-16 · regulation
Hitze in der Wohnung: Abkühlung gesucht
Hitze in der Wohnung : Abkühlung gesucht
In der Sommerhitze wird es innen immer wärmer. Klimaanlagen und Ventilatoren versprechen Hilfe: Wie lassen sich Wohnräume auf hohe Temperaturen vorbereiten?
Im Sommer sind in Deutschland neue Temperaturrekorde zu verzeichnen. Ist eine Hitzewelle vorbei, kann schon die nächste folgen. In Wohnungen und Häusern staut sich schnell die Wärme. Wie wohnt es sich in diesen heißen Tagen? Helfen Klimaanlagen oder Ventilatoren? Hier berichten F.A.Z.-Redakteure, wie sie damit umgehen.
Ventilator an
Der Kinofilm kann zwar vieles, aber eines nicht: den Geruchssinn und das Wärmeempfinden beeinflussen. Deshalb arbeiten Regisseure mit Symbolen, um Hitze zu verbildlichen. Der Ventilator taucht immer dann auf, wenn die Handlung schweißtreibend ist. Ob in "Chinatown", "Mississippi Burning" oder "The Big Easy": Sind rotierende Lüfterschaufeln zu sehen, weiß der Cineast, dass er sich 30 Grad plus vorstellen muss.
Als wir bei der Wohnungsbesichtigung unseren riesigen Deckenventilator in 4,50 Meter Höhe erblickten, waren wir deshalb nicht sofort begeistert. In der jüngsten Hitzewelle aber hat er sich vollkommen bewährt. Kam ein Familienmitglied nach Hause, schaltete es ihn sofort an und erzeugte so den Eindruck einer frischen Brise. Das machte das Leben im Dachgeschoss etwas erträglicher. Einziger Konflikt: Wer sehr genau dem Fußballkommentar bei der WM lauschen oder zwischendrin eine schöne Schallplatte hören wollte, musste Einbußen im Sound in Kauf nehmen. Verkraftbar. (pik.)
Ab ins Büro
Wie cool sind die denn? Windige Start-up-Chefs überboten sich während der Hitzewelle mit kühl kalkulierten Social-Media-Posts, in denen sie ihren Mitarbeitern gnädig hitzefrei erteilten, weil es zu heiß zum Arbeiten war. Klingt nach ultralockerer Personalpolitik, hat bei näherer Betrachtung aber wohl weniger mit Fürsorge zu tun als mit oberflächlicher Selbstdarstellung. Es scheint ziemlich undurchdacht, die Mitarbeiter pünktlich zur Mittagshitze aus dem Büro zu werfen, denn die wenigsten haben eine Klimaanlage zu Hause. Und wenn doch, müssen sie sich erst mal durch den Verkehr zurück quälen. Oder sollen sie sich ins Café nebenan setzen und auf die Dämmerung warten?
Besser wäre, wenn Chefs für ein gut gekühltes Büro sorgen, in dem sich angenehm arbeiten lässt. Das lockt vielleicht sogar so manchen Büromuffel aus dem Homeoffice zurück in den Kreis der Kolleginnen und Kollegen. Und wer weiß, vielleicht ist auf der einen oder anderen Büroetage vielleicht sogar Platz für eine Chillzone, in der sich Angehörige der Mitarbeiter abkühlen können. Denn auch die Schulen werfen die Kinder regelmäßig raus, wenn es zu heiß wird. Dann geht es mit dem schweren Schulranzen zurück ins aufgeheizte Zuhause, was hitzetechnisch wenig Sinn ergibt. Warum eigentlich lassen sich Büros kühlen und Schulen nicht? (mfe.)
Klimaanlage aufdrehen
Den Blick meiner Frau als skeptisch zu beschreiben, als die Spedition kam, ist untertrieben. Sie schaute auf die Europalette, dann auf mich, dann wieder auf die Palette. Was hätte sie auch sagen sollen? Wenn man im verregneten Frühjahr 2025 eine Klimaanlage kauft, muss man das erst einmal erklären.
Die Erklärung lautet: Zur Hauptsaison zahlt man fast doppelt so viel. Wer im Juli schwitzend im Homeoffice sitzt, kauft nicht rational, sondern verzweifelt. Also hatte ich im März gekauft – eine Split-Klimaanlage mit Innengerät und Außengerät, verbunden durch einen schmalen Schlauch. Dadurch sind sie effizienter als die herkömmlichen Monoblocks, dabei leiser und verbrauchen weniger Strom. Auf dem Papier ein überzeugender Fall. Auf einer Europalette, 45 Kilogramm schwer, einen Meter hoch gestapelt mit Verpackungsmaterial, wirkte sie weniger überzeugend – auch weil sie teurer als Monoblock-Geräte sind. Hat man sie aber erst einmal ausgepackt, kann man sie bequem auch ohne Krafttraining durch die Wohnung rollen.
Der Hitzesommer kam dann später als erwartet: 2025 fiel er sowohl von den Temperaturen als auch vom Niederschlag her fast komplett ins Wasser. Nur an wenigen Tagen konnte die Klimaanlage ihr volles Potential zeigen. Doch der Sommer 2026 brachte die stille Rehabilitation. Unser Wohnzimmer hält seitdem angenehme 25 Grad, das Schlafzimmer 23, bei einem Lüftergeräusch, das man überhört. Mittlerweile muss ich meiner Frau sagen, dass man bei 25 Grad Außentemperatur nicht unbedingt die Klimaanlage anschalten muss. Kein Schwitzen im Homeoffice kostet uns bei den aktuellen Strompreisen gerade einmal 2,50 Euro am Tag – gut investiertes Geld. Hätten wir eine Balkon-Solaranlage, könnten wir sie sogar fast kostenfrei betreiben – dafür müsste ich einen weiteren Speditionstermin erklären. Dann doch erst mal ein eiskaltes Getränk mit eigenen Eiswürfeln aus der Eiswürfelmaschine. Auch so eine Sommeranschaffung, die der Bote gebracht hat, aber mit weniger unangenehmen Fragen. Davon ein andermal. (fne.)
In die Eistonne
Der erste Schritt ist oft am härtesten. Wer die Füße in einen Eimer mit kaltem Wasser stellt, erlebt die Kälte als Abschreckung. Nach einiger Zeit hat sich der Körper meist daran gewöhnt. Ausbauen lässt sich das Fußbad mit einer Badewanne mit kaltem Wasser: Da kann jeder je nach Laune am Rand sitzen und die Körperteile kühlen oder auch kurz untertauchen.
Das Prinzip reicht bis zur Eistonne, in der Sportler nach der Höchstleistung sich zu regenerieren versuchen. So ähnlich wie Fußballspieler Per Mertesacker, der nach einem Spiel während der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 sagte: "Ich lege mich jetzt erst mal drei Tage in die Eistonne, und dann sehen wir weiter." Das hat immerhin zum Titel geführt; im Gegensatz zu diesem Sommer. Aber tagelang lässt es sich im kalten Wasser kaum aushalten. (jch.)