2026-08-17 · buy-side
Modekette New Yorker: Friedrich Knapps Töchter übernehmen, Tricks der Fake-Headhunter
Der Montag im Überblick Machtübernahme bei New Yorker und ein Enkeltrick für Manager
Chef werden. Natürlich haben Sie dafür das Potenzial, dieser Newsletter ist ja nichts anderes als eine Executive Summary für Führungskräfte. Die entscheidenden Fragen lauten jedoch: Wie sieht der Weg nach oben tatsächlich aus, wie viele Spitzkehren muss man meistern (in Alpe d'Huez sind es 21), und wie sieht, oben angekommen, der Alltag aus? Mein Kollege David Baldysiak hat einen Berg von Statistiken und Stundenauswertungen durchgearbeitet, damit Sie es nicht müssen (Chefs müssen delegieren können). Und Davids Antworten sind ebenso prägnant wie anschaulich: Der CEO-Code .
Sneak-Preview: Ein CEO verbringt rund 45 Stunden pro Woche in Meetings, für ungestörte Arbeit bleiben im Schnitt nur 18 Stunden (ja, obendrauf). Die Mehrzahl der befragten Chefs, die in der Regel Wirtschaft, Ingenieur- oder Naturwissenschaften studiert haben, berichtet von einem "klinisch hohen Stresslevel". Dafür ist das Gehalt sehr auskömmlich. Der Aufstieg zur Spitze dauert hierzulande nur halb so lange wie in den USA, doch auch hier ist die Route entscheidend: Ohne Stationen in Vertrieb oder Projektmanagement wird es schwierig. Ganz oben wartet dann "ein Schleudersitz mit feinstem Lederbezug und Massagefunktion", wie David schreibt. Wer jetzt immer noch nicht die detailliert vermessenen Aufstiegswege anschauen mag, will nicht Chef werden.
Aufstieg zur Spitze: Wie verläuft die Route auf dem Weg nach oben? Und was machen CEOs den ganzen Tag? Die Antworten gibt es in Grafiken und Zahlen.
Illustration: Mario Mensch / manager magazin
Die Wirtschaftsnews des Tages:
Der Umsatz des KI-Riesen Anthropic ist laut einem Bericht von Bloomberg im zweiten Quartal auf 11,5 Milliarden Dollar gestiegen – und hat sich damit vervierzehnfacht. CEO Dario Amodei (43), der den Konkurrenten OpenAI abgehängt hat (zur Grafik-Story hier entlang ), stimmt Investoren auf einen Börsengang im Herbst ein. Frage an Claude: Wo soll das alles hinführen?
Wir bleiben bei großen Summen. Der US-Bezahldienst Stripe hatte erst kürzlich eine Milliardenofferte für den Konkurrenten Paypal vorgelegt. Nun bietet CEO Patrick Collison (37) rund 7 Milliarden Dollar für das Start-up OpenRouter. Die US-Firma ermöglicht Nutzern, auf der Suche nach der günstigsten Option zwischen Hunderten KI-Modellen zu wechseln.
Der Absturz des KI-Hedgefonds "Situational Awareness" des deutschen Investors Leopold Aschenbrenner (24) hat auch die US-Investmentfirma Jane Street Milliarden gekostet. Im Gegensatz zu Aschenbrenner, der einen Großteil seiner Aktien an den Hedgefonds-Konkurrenten Ken Griffin (57) verramschen musste, kann Jane Street den Fehlgriff problemlos verkraften: Was sind schon 15 Milliarden Dollar Verlust, wenn man seit Januar mehr als 40 Milliarden Dollar Netto-Trading-Erlöse erzielt hat.
Die Aufsteigerinnen des Tages:
Vor bald zwei Jahren verabschiedeten die drei Schwestern Sophie Rantzau Knapp (31), Flora Knapp (24) und Lola Knapp (17) ihren verstorbenen Vater Friedrich Knapp via Todesanzeige mit dem Satz: "Tschüss, war nett". So hatte der milliardenschwere Gründer der Modekette New Yorker zu Lebzeiten stets Gespräche beendet. Seitdem wurde hinter den Kulissen des Konzerns um die Macht gerungen. Doch nun scheint der Weg in eine neue Ära geebnet: Laut einem vom Amtsgericht Braunschweig ausgestellten Erbschein erhalten Knapps Töchter je ein Drittel der Anteile , wie mein Kollege Martin Mehringer berichtet. Die älteste Tochter Sophie fungiert bereits seit April neben Friedrich Knapps Ziehsohn Jonas Gnauck (34) als Co-CEO. Operativ gibt es für die Erbinnen wenig Grund zur Sorge: 2025 erzielte New Yorker erneut einen Rekord .
Nachlass geregelt: Nach dem Tod von Friedrich Knapp (im Bild der Flagship-Store in Braunschweig) sollen die Töchter Eigentümerinnen werden
Foto: New YorkerDer Aufsteiger des Tages:
Die Rendite der japanischen Staatsanleihe ist mit knapp 3 Prozent auf das höchste Niveau seit 30 Jahren gestiegen. Erst vor wenigen Tagen war die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen auf den höchsten Stand seit 25 Jahren geklettert. In den beiden Industrienationen Japan und USA rechnen Investoren offenbar mit steigender Inflation – und sorgen sich zugleich um die explodierende Staatsverschuldung. In beiden Ländern wird es schwieriger, die wachsenden Schulden zu finanzieren. Die beiden Rendite-Aufsteiger dürften damit Vorboten eines größeren Problems sein, das am Finanzmarkt-Horizont aufsteigt.
Was Sie im Unternehmen voranbringt:
Wenn es im Team knirscht, folgt meist der übliche Krisenreaktions-Dreiklang: Meetings, Workshops, Mediation. Doch dies greift häufig zu kurz, erklärt Marissa King, Netzwerkforscherin am IMD in Lausanne. Entscheidend sei häufig nicht, wie die einzelnen Teammitglieder ticken, sondern wie sie untereinander verbunden sind. King gibt Tipps, wie Sie erkennen, wer im Team mit wem kann – und wie Sie dieses Wissen nutzen , um verborgene Problemlöser zu identifizieren.
Meine Empfehlung für den Abend:
Maßgeschneiderte, verlockende Angebote: Viele Manager bangen derzeit um ihren Job und loten Alternativen aus – für kriminelle Fake-Headhunter ein lukratives Geschäft
Foto: Westend61 / Getty ImagesViele Manager zittern derzeit um ihre Jobs. Mehr als 53.000 Führungskräfte waren im Juni arbeitssuchend, wie die Bundesagentur für Arbeit auf Anfrage von manager magazin ausgewertet hat . Das ist die höchste Zahl seit zehn Jahren. Hinzu kommen Tausende Manager aus der Auto- und Zulieferindustrie, deren Jobs künftig wegfallen: Volkswagen, BMW, Mercedes, Opel oder Porsche streichen Führungsebenen radikal zusammen. Die weitverbreitete Unsicherheit machen sich kriminelle Fake-Headhunter zunutze, die gezielt Manager mit maßgeschneiderten und scheinbar lukrativen Angeboten locken, um ihnen letztlich Tausende Euro aus der Tasche zu ziehen. Mein Kollege Nils Heck schildert am konkreten Fall des Fintech-Managers Jochen Siegert (52), wie die Kriminellen vorgehen – und wie sich Topkräfte schützen können. Siegert ließ sich nicht in die Falle locken. Doch der Einsatz von KI sowie Identitätsdiebstahl machen die Betrugsmasche der Fake-Headhunter zu einem wachsenden Problem: Der Enkeltrick für Manager.
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